Zusammenarbeit mit der Vegesacker Straße

Zusammenarbeit mit der Vegesacker Straße

Wenn die Hobel pfeifen ... (1969) Bericht von Heinrich Ehnert, in: Der Sonderschüler heute (gekürzt), Bremen, April 1969, Nr. 5 "Es macht Spaß", äußerten sich die Beteiligten. In einer geräumigen Halle der Allgemeinen Berufsschule am Steffensweg pfeifen neun Hobel ihr lustiges Lied. Die fleißigen Hobler sind neun Jungen aus einer Abgangsklasse der Sonderschule Vegesacker Straße. Lernbehinderte Kinder - das ist eine Binsenweisheit - kann man nicht zu Geistesarbeitern heranbilden.

Also müssen ihre Hände in ganz besonderem Maße gebildet werden. Dazu braucht man aber nicht nur die nötigen Werkräume, sondern auch viele Werkzeuge und einfache Maschinen. vergrößern Das aber steht in der Sonderschule nicht zur Verfügung. Wie alle Schüler stehen auch Sonderschüler vor der Frage: "Was soll ich werden"? Wie aber sollen sie herausfinden, welchen Beruf sie ergreifen könnte. Woher sollten sie die Anforderungen der Anlern- und Lehrberufe kennen? Natürlich berät die Schule, das Elternhaus und das Arbeitsamt alle Schulabgänger. Aber, von wenigen Ausnahmen abgesehen, handelt es sich bei dieser Berufsberatung eben doch nur um eine Beratung. Um einen möglichst erfolgreichen Übergang in das Berufsleben zu finden, haben gewiß alle Schulen größte Anstrengungen gemacht. So wurden beispielsweise Berufspraktika eingeführt. Die teilnehmenden Jungen und Mädchen besuchten dann für einige Wochen eine Werkstatt, eine Fabrik, ein Lager oder ein Einzelhandelsgeschäft, um dadurch einen Einblick in die tatsächliche Berufswelt zu bekommen.

Durch diese Berufspraktika können immer wieder lobenswerte Erfolge erreicht werden. Aber es ist bis heute nicht möglich, jedem Schulabgänger diese Gelegenheit zu bieten, weil es ganz einfach an Unternehmern fehlt, die ein solches Praktikum in ihrem Betrieb zulassen. So blieb den Lehrkräften belassen, nach weiteren Mitteln und Wegen zu suchen, den Abgängern die Berufswahl durch Information und Orientierung zu erleichtern. Heute nun besucht bereits die zweite Jungengruppe einen Kursus zur Berufsfeldorientierung an der Allgemeinen Berufsschule am Steffensweg in Bremen. In einer Zeitdauer von zwei Monaten besuchen die Jungen der neunten Klassen montags, dienstags und mittwochs mit ihrem Klassenlehrer die Berufsschule. Unter der Anleitung von Meistern wird hier nun tüchtig gearbeitet. Es wird tatsächlich gearbeitet, nicht gewerkelt oder gebastelt! Die Zeichnung für einen dreibeinigen Blumenhocker liegt auf der Hobelbank vor jedem Schüler. Alle Arbeitsvorgänge sind besprochen und erklärt. „Und das macht wirklich Spaß", wenn von neun Arbeitsplätzen die Späne fliegen und aus den Vierkanthölzern schließlich runde Hockerbeine werden. Werkunterricht einer Klasse im 10. Schulbesuchsjahr der Schule an der Vegesacker Straße (1973/74) Wolfgang Ludwig (Klassenlehrer), in:

Der Sonderschüler heute (leicht gekürzt), Bremen, Januar 1975, Heft 26 Im Schuljahr 1973/74 werkten unsere beiden 10. Klassen mit viel Eifer und Freude unter Anleitung von Werkmeistern in den Werkstätten der Allgemeinen Berufsschule.

Ein halbes Jahr wurde Holz, das andere Halbjahr Metall bearbeitet und dabei sehr nützliche Gegenstände hergestellt. vergrößern Aber nicht nur das. Während des Metallwerkens wurde auch einmal ein V-4-Viertaktmotor zerlegt und wieder zusammengesetzt. Dabei zeigte sich, daß unsere Mädchen besonders interessiert waren und den Jungen bewiesen, daß sie ihren Mitschülern bei technischen Dingen in nichts nachstanden. An einem Werkunterrichtstag wurde der Motor säuberlichst zerlegt. Der Werkmeister der Allgemeinen Berufsschule erklärte dabei die einzelnen Motorenteile. An einem anderen Unterrichtstag ging es dann an die Montage des Motors. Als die Schülerinnen und Schüler nach den einzelnen Teilen und deren Funktion gefragt wurden, konnten sie fast alles richtig beantworten. Der Motor wurde ohne Fehler montiert. An dieser Stelle herzlichen Dank an die Werkmeister und den Leiter der Allgemeinen Berufsschule, die uns in jeder Weise unterstützten, so daß der Werkunterricht ein großes Erlebnis für unsere Schülerinnen und Schüler wurde und sie auf dem Wege zur Berufswelt ein schönes Stück weiter brachte.